13-04-09

Werkgroep Morkhoven, der belgischen Bürgerinitiative gegen Kinderpornographie


marcel27.07.98

Archiv - Aus FOCUS Nr. 31 (1998) - Ausland Belgien - Dokumente des Horrors

Die private Ermittlergruppe aus Morkhoven übergibt der Polizei mehr als 10 000 sichergestellte Pornobilder von Kindern und Babys

Von FOCUS-Korrespondentin Saskia van Laere

Die Mitarbeiter der belgischen Bürgerinitiative gegen Kinderpornographie in dem kleinen Ort Morkhoven triumphierten, obwohl am Montag voriger Woche die Polizei anrückte, um ihren Sprecher Marcel Vervloesem zu verhaften. Die Finger zum Siegeszeichen gespreizt, ließ er sich abführen und erklärte: „Ich werde festgenommen, weil ich den Kinderschänderring aufgedeckt habe.“

Sechs Stunden später waren sein Verhör und das Kräftemessen zwischen den Hobbyermittlern und der Polizei beendet. Die Morkhoven-Initiative, die sich zuvor geweigert hatte, mit den Behörden zu kooperieren, übergab einen Schuhkarton voller Dokumente, die maßgeblich zum Auffliegen der Kinderpornobande in dem niederländischen Badeort Zandvoort beigetragen haben. „Die Fahnder haben uns versprochen, weiter zu ermitteln. Außerdem haben wir Kopien behalten“, sagte Vervloesem.

Zu der Kontroverse war es gekommen, weil die Polizei die Morkhoven-Gruppe beschuldigt hatte, das Beweismaterial in der Wohnung eines mutmaßlichen Kopfes der Bande, des Niederländers Gerrit Ulrich, gestohlen zu haben.

Ulrich ist im Juni in Italien ums Leben gekommen, und zwar durch eine Kugel seines belgischen Komplizen Robby Van der Plancken, der seitdem in Pisa in Haft sitzt. Kurz zuvor hatte Ulrich Kontakt zu der Morkhoven-Gruppe aufgenommen.

Die italienische Justiz erwägt die Freilassung des Belgiers, denn der tödliche Schuß soll ein Unfall gewesen sein. Das jedenfalls behaupten der Inhaftierte und sein Anwalt. Die Behörden schließen nicht aus, daß Van der Plancken seinem schwer aidskranken Freund Sterbehilfe leistete. Die Niederlande haben die Auslieferung beantragt.

Vorige Woche sprach FOCUS mit Vervloesem über den Erfolg der Morkhoven-Initiative und die Vorwürfe gegen seine Gruppe:

- FOCUS: Haben Sie der Polizei alle Unterlagen aus Ulrichs Wohnung übergeben?

Vervloesem: Ich habe alle PC-Disketten mit rund 10 000 pornographischen Fotos ausgehändigt. Jetzt folgen die Terminkalender, Adressenlisten und die Buchhaltung. Dann fahre ich in die Niederlande, um das Material den Behörden dort zu übergeben.

- FOCUS: Warum haben Sie zuerst die Zusammenarbeit verweigert?

Vervloesem: Ich wollte Garantien, daß die Ermittler unsere Informationen auch wirklich nutzen werden.

- FOCUS: Hatten Sie Zweifel daran?

Vervloesem: Und wie! Ich habe schon 1992 der Polizei gemeldet, daß Van der Plancken in den Verkauf von zwei Kindern involviert war. Man hat das lediglich zu Protokoll genommen. Ebenfalls vor sechs Jahren habe ich die Polizei informiert, daß Van der Plancken Kontakte zur Kinderprostitutionsszene unterhält. Der Fall ist dann jahrelang liegengeblieben.

- FOCUS: Beunruhigt es Sie, daß dieser Mann möglicherweise bald aus dem Gefängnis in Italien freikommt?

Vervloesem: Das wäre schlimm. Er könnte dann einfach verschwinden!

- FOCUS: Was erwarten Sie von den jetzigen Ermittlungen?

Vervloesem: Nicht viel. Justiz und Polizei haben in der Vergangenheit viele Fehler gemacht. Sie werden die Sache also herunterspielen oder decken müssen.

- FOCUS: Warum engagieren Sie sich in diesem Bereich?

Vervloesem: Der Fall Dutroux hat uns gezeigt, wie die Polizei arbeitet. Wenn wir auf die Behörden vertraut hätten, hätten wir die Netzwerke nie gefunden.

- FOCUS: Ihnen werden aber illegale Untersuchungsmethoden vorgeworfen . . .

Vervloesem: In einer Organisation wie der unsrigen macht man Recherchen, die unabhängig von denen der Behörden ablaufen. Einmal habe ich zum Beispiel ein Kinderfoto von mir an eine mutmaßliche Kinderpornoagentur geschickt. Weil sie sofort darauf eingegangen ist, wurde eine weitere Verknüpfung in dem Netzwerk aufgedeckt.

- FOCUS: Stimmt es, daß ein ehemaliges Mitglied Ihrer Gruppe wegen Sexualdelikten vorbestraft ist?

Vervloesem: An einer früheren Aktion war auch eine andere Gruppe beteiligt. Ein Mitglied dieser Gruppe war wegen Sexualdelikten verurteilt worden. In der Presse hat man dann verschiedene Aktionen und unterschiedliche Gruppen verwechselt.

- FOCUS: Kritiker weisen auch auf Ihr persönliches Strafregister hin.

Vervloesem: Mein Strafregister ist zwar lang, trotzdem steht da kaum etwas drin. Als ich 16 war, hatte ich zum Beispiel eine gleichaltrige Freundin. Damals war man mit 16 minderjährig, und die Beziehung wurde deshalb als eine Sittenwidrigkeit bezeichnet. Heute wäre das kein Problem.

- FOCUS: Warum wurden Sie zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt?

Vervloesem: Dieses Urteil wird immer wieder herbeizitiert, um uns als Kriminelle abzustempeln. Wir wurden u. a. verurteilt, weil wir in einer Protestaktion eine Ladung Heuschrecken vor der Staatsanwaltschaft abgeladen haben. Und in der Berufung wurde ich freigesprochen.


Marcel Vervloesem wurde während 11 Jahre falsch beschuldigt und verfolgt.
Im 2008 wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und ins Gefängnis gesperrt. Im Gefängnis wurde er gefoltert.
Er ist schwer krank und wurde vor knapp 5 woche am Herzen operiert.
Marcel Vervloesem jedoch unter anderem an Krebs und Diabetes leidet, ist zu befürchten, dass sich sein Zustand im Gefängnis ernsthaft verschlechtert, sofern man ihm eine ausreichende medizinische Versorgung verweigert.
Die belgische Justiz, die den Zandvoort Fall zum Schweigen brachte, entschieden um ihn im Gefängnis sterben zu lassen.

Fordern Sie Marcel Vervloesem sofortige und bedingungslose Freilassung, sofern seine Inhaftierung gegen Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte verstößt, das Belgien unterzeichnet hat. Drücken Sie Ihre Sorge um seinen Gesundheitszustand aus und verlangen Sie, dass er die nötige medizinische Versorgung erhält. Protestieren Sie gegen die unmenschliche belgische Politik !

Appelle an:

Minister der Justiz, Stefaan De Clerck
Waterloostraat 115, 1000 Brüssel (Belgien)
E-Mail: info@just.fgov.be
T.: 0032 2 233 51 11 - Fax: 0032 2 230 10 67
Net: http://www.just.fgov.be

Vizepremierminister und Minister der Sozialen Angelegenheiten und Volksgesundheit, Laurette Onkelinx
Handelsstraat 78-80, Brüssel (Belgien)
E-Mail: info@laurette-onkelinx.be
T. 00 32 2/233 51 11 - Fax 00 32-2/2 20 20 67

Premierminister des Königreichs Belgien, Herman Van Rompuy
Wetstraat 16, 1000 Brüssel (Belgien)
E-Mail: info@premier.fed.be
T. 00 32-2/5 01 02 11 - Fax 00 32-2/5 12-69 53, 5 11 79 14

Hans-Gert Pöttering, Präsident des Europäischen Parlaments
Europäisches Parlament, Rue Wiertz, PHS 11B011 BE-1047, Brüssel (Belgien)
hans-gert.poettering@europarl.europa.eu

José Manuel Barroso
Präsident der Europäischen Kommission
1049 Brüssel, Belgien
E-Mail: oib-info@ec.europa.eu
http://ec.europa.eu/commission_barroso/president/contact/mail/index_de.htm

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Gevangenis Brugge
t.a.v. Marcel Vervloesem
Sectie 35 - Cel 54
Legeweg 200
8200 Brugge (Belgien)

Werkgroep Morkhoven vzw-asbl
Faiderstraat 10, 1060 Sint-Gillis (Belgien)
E-Mail: WerkgroepMorkhoven@gmail.com, postmaster@droitfondamental.eu
T.: 0032 2 537 49 97
http://werkgroep-morkhoven.skynetblogs.be/ - http://www.droitfondamental.eu/


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PHOTO: Marcel Vervloesem

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