20-09-07

Ylenias Mutter


«Wieso ausgerechnet Ylenia?»

Charlotte Lenhard rotes KleidIn der Sendung «Die Reporter» des Schweizer Fernsehens sprach Ylenias Mutter – Charlotte Lenhard – erstmals in der Öffentlichkeit über ihr Schicksal. Wir geben im Folgenden einen Auszug des SF-Interviews.

- Wenn einem so etwas passiert, lässt einen das am Sinn des Lebens zweifeln?

Charlotte Lenhard: Nein, nicht zweifeln. Aber es kommen Fragen: Wieso sie? Nicht nur wir müssen leiden. Sie muss oder musste auch leiden. Wieso? Wieso konnte sie nur fünfeinhalb werden? Sie hatte ja noch das ganze Leben vor sich. Wieso ist ihr das passiert, ausgerechnet ihr?

- Martert Sie dies auch nachts? Träumen Sie davon? Können Sie nicht schlafen?

Lenhard: Ich träume sehr wenig. Aber ich habe ja auch Medikamente. Ich schlafe mit Tabletten. Aber vor dem Einschlafen kommen diese Gedanken. Das ist die Zeit, die für mich und Ylenia da ist, weil uns dann niemand stört.

- Dann denken Sie an sie? Halten Sie Zwiesprache mit Ihr?

Lenhard: Ich denke an sie. Aber ich habe auch schon mit ihr gesprochen. Dass ich sie lieb habe. Und dass sie nichts für das kann, was passiert ist.

- Wie wichtig ist für Sie die Anteilnahme der Öffentlichkeit gewesen?

Lenhard: Das war sehr schön und wichtig. Es war wichtig zu spüren, dass Anteilnahme da war – auch von Fremden. Ich möchte daher allen danken, die geschrieben haben oder Pakete und Blumen schickten, Geld sogar – manchmal ganz ohne Adresse, so dass ich mich nicht einmal bedanken konnte.

- Das Schreckliche, das Sie erlebten, hat das Ihr Menschenbild verändert?

Lenhard: Eigentlich nicht. Dass es schlechte Menschen gibt, das hört, liest und weiss man.

- Konnten Sie sich früher vorstellen, dass einem so etwas passieren kann?

Lenhard: Dass mir das passieren kann? Nein. Man denkt an Unfälle auf dem Schulweg. Denn es gibt nicht überall Trottoirs. Oder dass sie in den Fluss fallen könnte. Aber nicht, dass sie entführt werden könnte.

- Haben Sie Ylenia mal gesagt, wie sich verhalten soll, wenn sie von fremden Leuten angesprochen wird?

Lenhard: Ja, sie wusste, dass man nicht in fremde Autos einsteigt. Auch wenn man mit Bonbons gelockt wird. Oder mit Süssem. Sie ist eine gar Süsse. Aber sie wusste es. Und ich glaube auch nicht, dass sie freiwillig eingestiegen ist. Vielleicht ging sie hin, wenn jemand etwas fragte. Denn sie ist eine Offene. Man gibt den Leuten Antwort. Aber nicht, dass sie eingestiegen wäre. Denn sie kannte diesen Mann nicht. Sie musste ja auch noch Brötchen kaufen. Das hätte jedem passieren können, der dann da gewesen wäre.

- Machen Sie sich selber keine – ungerechtfertigten – Vorwürfe?

Lenhard: Vorwürfe nicht. Denn ich muss mir keine machen. Es bringt auch nichts. Hätte es da geregnet, wäre sie nicht auf die Idee gekommen, das Shampoo zu holen. Denn das war ihre Idee, nicht meine. Sie sagte spontan: Soll ich es holen? Und ich sagte: Ja, gut. Fünf Minuten später ging sie. Ja, solche Gedanken: Hätte es geregnet... Oder: Wäre dieses Shampoo leer gewesen... Dann wäre es ihr nicht in den Sinn, mich zu fragen. Und ich hätte nicht gesagt: Ja, gut. Dann wäre sie noch am Leben.

- SF: Das kann auch ein Teufelskreis sein. Wenn anfängt nachzudenken: Was wäre gewesen, wenn...? Dann kommt man gar nicht raus.

Ylenias Mutter: Ja. Man muss aufhören. Denn es bringt nichts. Sie hat keine Schuld. Und ich habe keine Schuld. Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

- Kommentar: Nur Tage später bestätigte die Polizei den schrecklichen Verdacht.In seinem Lieferwagen hatte der Auslandschweizer Urs Hans von Aesch Ylenia entführt. Von Aesch, der sich später erschoss.

Ylenias Mutter: Auf der einen Seite wusste man: Er hat sie mitgenommen. Aber dann:
Was ist passiert? Da kommt einem eine ganze Gedanken-Palette. Vor allem, weil man sie nicht gefunden hat. Anfangs hatte man noch die Hoffnung, dass er sie irgendwo hingebracht hat und infolge der Ereignisse nicht mehr zu ihr zurück konnte. Sie könnte irgendwo eingesperrt sein. Oder sie könnte sich irgendwo im Wald versteckt haben, weil ihr die Flucht gelungen wäre – denn sie war eine Wehrhafte.

- SF: Die Hoffnung, dass alles gut kommen könnte, wurde also gestärkt?

Ylenias Mutter: Einerseits schon.

- SF: Dass es ein Zeichen wäre. Vorher hatte man ja gar nichts.

Ylenias Mutter: Ja, man wusste mal einen Teil: Dass er sie wahrscheinlich mitgenommen hat. Und wo man sie suchen könnte. Hier im Hallenbad ist sie einfach von niemandem gesehen worden, als sie wegging.

- SF: Es muss unglaublich schwierig sein, in einer solchen Situation noch zu funktionieren. Wie war das möglich für Sie?

Ylenias Mutter: Es ging einfach. Es funktioniert. Und es ist auch gut. Wenn ich die anderen beiden Kinder nicht hätte, würde mir nichts mehr bleiben. Es funktioniert und geht eigentlich gut, wenn die Kinder da sind: Man hat keine Zeit zum Studieren. Man hat seine Aufgaben: haushalten, kochen, bügeln – das muss einfach sein.

- Kommentar: Am vergangene Samstag wurde es zur Gewissheit: Ylenia ist tot. Ihr Leichnam wurde im Hartmannswald von einer Privatperson gefunden. Und es bleibt nur die Erinnerung.

Ylenias Mutter: Sie machte gerne Ausflüge. Sie ging gerne irgendwo hin. Erst waren wir auf dem Affenberg. Als wir zu Hause waren, sagte sie: Gehen wir bald wieder? Sie war nicht gerne alleine. Sie spielte gerne mit anderen Kindern. Wenn die Geschwister nicht da waren, rief sie eine Kollegin an. Und draussen war sie gerne: auf dem Trampolin, auf den Spielgeräten... Und „Wässerlen“, das mochte sie: Wo es einen Wasserhahn hatte... und Dreck... sie pflasterte gerne. Und die Badi. Den ganzen Sommer über gingen wir in die Badi. Alle sind Wasserratten.

- SF: Was wollte sie von Beruf werden?

Ylenias Mutter: Krankenschwester wie ich – damit wir zusammen arbeiten könnten. In letzter Zeit sagte sie das immer: Damit wir dann am gleichen Ort miteinander arbeiten könnten.

- Sie will eine Stiftung in ihrem Namen gründen, die Kindern auf der ganzen Welt hilft.

Ylenias Mutter: Sie wuchs damit auf, etwas Gutes zu tun für arme Kinder, zum Beispiel für solche in Rumänien zu sammeln, etwas zu spenden... In ihrem Namen möchte ich Geld, das ich schon bekommen habe oder das noch zusammen kommt, für einen guten Zweck, für benachteiligte Kinder, einsetzen. Auch eine Aufgabe für mich... Nicht dass die Entführung so einen Sinn bekäme... Aber damit schlussendlich doch noch etwas Positives rauskommen kann.

- SF: Und der soziale Gedanke, der hier dahinter steht, ist das etwas, das für Ylenia wichtig war, zu dem sie einen Bezug hatte?

Ylenias Mutter: Ja, wir sammelten und sammeln auch weiterhin immer Kleider, Sachen für Rumänien. Es gibt hier eine Frau, der wir die Sachen jeweils bringen. Die Kinder tragen die Säcke dann immer hoch. Oder wir gehen einkaufen für „Zweimal Weihnachten“. Oder sie geben etwas von ihren Geschenken, das sie zweimal bekommen haben oder nicht brauchen. Oder wir spenden. Ich habe sie so erzogen, dass es noch andere gibt, denen es nicht so gut geht wie ihnen und die nicht alles haben wie sie.

- So soll der sinnlose Tod Ylenias im Hartmannswald vielleicht einen Sinn bekommen. Durch die Hilfe an Kinder, die der Hilfe bedürfen. Und denen geholfen werden soll, in Ylenias Namen.

Donnerstag, 20. September 2007

http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=1397749&resso...

17:43 Gepost door Jaap in Algemeen | Permalink | Commentaren (4) |  Facebook |

Commentaren

«Ylenia war zur falschen Zeit am falschen Ort»
20.09.07


Ylenias Mutter Charlotte Lenhard hat in einem berührenden TV-Interview erstmals öffentlich über den Verlust ihrer Tochter gesprochen. Sie gibt sich und der kleinen Ylenia keine Schuld.


Stiftung «Ylenia»

Um die Erinnerung an Ylenia weiter leben zu lassen, wollen ihre Angehörigen eine Stiftung für benachteiligte Kinder gründen. Dazu will die Mutter Geld einsetzen, das sie schon bekommen hat oder das durch Spenden noch zusammenkommt. Das PC-Konto der Stifung: 85-120000-0.
In der Sendung «Reporter» des Schweizer Fernsehens äusserte sich Charlotte Lenhard erstmals zum Tod ihrer Tochter und schilderte, wie sie ihren Verlust zu bewältigen versucht. Lenhard zeigte sich davon überzeugt, dass der mutmassliche Entführer nicht von langer Hand geplant habe, genau Ylenia zu entführen. Ihr Kind sei einfach «zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen», sagte sie.

Auf die Frage, ob sie von Ylenia träume sagte die Mutter, dass sie kaum träume, weil sie nur mit Tabletten schlafen könne. Aber vor dem Einschlafen denke sie immer an ihre Tochter. «Das ist die Zeit, die für mich und Ylenia da ist – weil uns dann niemand stört.» Sie denke dann an Ylenia und spreche mit ihr: «Dass ich sie lieb habe. Und dass sie nichts für das kann, was passiert ist.»

Was passiert sei, lasse sie nicht am Sinn des Lebens zweifeln, sagte Charlotte Lenhard weiter. Es tauchten aber immer wieder Fragen auf: «Wieso sie? Wieso wir? Warum konnte sie nur fünfeinhalb Jahre alt werden, sie hatte ja noch das ganze Leben vor sich, warum gerade sie?». Ihr Menschenbild habe sich durch das Schreckliche nicht verändert: «Dass es schlechte Menschen gibt, das hört man, liest man, weiss man», sagt Ylenias Mutter. Sie sei allerdings der Meinung, dass Täter in der Schweiz härter bestraft werden sollten, sodass etwa wie im Fall Urs Hans Von Aesch Vorstrafen, die 20 Jahre zurück lägen, nicht mehr aus dem Strafregister verschwinden könnten. Solche Täter sollten nach 20 Jahren keine unbescholtenen Bürger sein.


Nicht freiwillig eingestiegen

Lenhard glaubt nicht, dass Ylenia freiwillig in den Kastenwagen des Entführers eingestiegen ist. «Sie wusste, dass man nicht in fremde Autos einsteigt. Auch wenn man mit Bonbons gelockt wird.»

Sich selber und Ylenia mache sie keine Vorwürfe, sagte Lenhard weiter. Das bringe auch nichts. Aber es kämen schon Gedanken: Hätte es etwa geregnet am Tag der Entführung, wäre Ylenia nicht auf die Idee gekommen, das Shampoo im Hallenbad zu holen. «Denn das war ihre Idee, nicht meine.»


Dem Finder dankbar

Der Onkel von Ylenia ist dankbar, dass der Winterthurer Simon Kuhn auf eigene Faust nach Ylenia suchte und sie schliesslich am 15. September im Hartmannswald fand. «Er hat eine gute Arbeit gemacht», sagte Phillip Lenhard gegenüber der Sendung «10 vor 10». Er kritisierte denn auch, dass die Öffentlichkeit und die Medien die Motive des Finders seither angezweifelt haben. Denn der Fund sei eine sehr grosse Erleichterung für ihn und Ylenias Mutter gewesen.


Stiftung zum Gedenken an Ylenia

Ylenias Mutter und ihr Onkel haben angekündigt, eine Stiftung gründen zu wollen. Mit der Stiftung solle Kindern in Not geholfen werden - auch in Extremsituationen. Dazu will die Mutter Geld einsetzen, das sie schon bekommen hat oder das durch Spenden noch zusammenkommt. Zum Beispiel armen Kindern in Rumänien zu helfen, sei sicher im Sinne von Ylenia. Vielleicht erhalte der Tod Ylenias dadurch einen Sinn, sagte der Bruder von Charlotte Lenhard gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen.


Die Vorgeschichte

Die Leiche Ylenias war am Samstagmittag in einem Wald bei Oberbüren gefunden worden - 47 Tage nach ihrem Verschwinden. Wie das Mädchen zu Tode kam, ist noch unklar. Es gibt keine Anzeichen für einen sexuellen Missbrauch. Die fünfeinhalbjährige Ylenia war am 31. Juli beim Hallenbad in Appenzell entführt worden.

Als ihr mutmasslicher Entführer und Mörder gilt ein 67-jähriger Auslandschweizer, der sich am Tag des Verschwindens des Kinds ebenfalls in einem Waldstück bei Oberbüren das Leben nahm.

An den gefundenen Sachen Ylenias stellte die Polizei DNA-Spuren des Mannes sicher. Sicher ist auch, dass er Ylenia in seinem Auto transportierte. Die Polizei hat keine Hinweise auf Dritttäter.

jcg/SDA/AP
http://www.20min.ch/news/dossier/ylenia/story/23613562

Gepost door: Hans | 20-09-07

Mutter fragt sich immer wieder: «Warum grad Ylenia?»
19.09.2007

APPENZELL – Gefasst, aber unendlich traurig sitzt Ylenias Mami daheim am Stubentisch. Charlotte Lenhard spricht erstmals öffentlich über den Tod ihres Töchterchens.


Ylenias Mutter Charlotte Lenhard gestern im TV: Sie ist sich sicher, dass ihre Tochter nicht freiwillig in das Auto von Urs Hans von Aesch gestiegen ist.


Das Licht in der Wohnung in Appenzell ist gedämpft. Auf dem Tisch brennen Kerzen. Für Ylenia.

Die Kamera des Schweizer TVs ruht auf dem Gesicht der leidgeprüften Mutter. Dann sagt sie leise: «Sie ist zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.» Einen Augenblick schweigt Charlotte Lenhard. Dann fährt sie fort: «Das ist nicht so gewesen, dass es genau Ylenia hätte sein müssen.»

Charlotte Lenhard ist eine starke Frau. In ihrer grossen Trauer denkt sie auch an andere. In Ylenias Namen will sie eine Stiftung gründen. «Wir möchten dem sinnlosen Tod von Ylenia einen Sinn geben», sagt Philipp Lenhard. Er steht seiner Schwester in dieser schweren Zeit bei.

Mit der Stiftung wollen die Lenhards Kindern in Not helfen – auch in Extremsituationen.

Von verschiedenen Seiten haben sie schon Geld bekommen. Und sie hoffen, dass für die Stiftung noch mehr zusammenkommt.

Sie wollen zum Beispiel armen Kindern in Rumänien helfen. «Das ist sicher im Sinn von Ylenia», sagt Charlotte Lenhard in der SF-Sendung «Reporter».

Eine starke Frau. Ylenias Tod lasse sie nicht am Leben zweifeln, sagt die Mutter.

Klar tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: «Wieso sie? Wieso wir? Warum konnte sie nur fünfeinhalb Jahre alt werden? Sie hatte doch noch das ganze Leben vor sich. Warum gerade sie?»

Auch an das Gute im Menschen will Charlotte Lenhard weiter glauben. «Dass es schlechte Menschen gibt, das hört man, liest man, weiss man», sagt Ylenias Mami. Aber sie möchte, dass Täter härter bestraft werden.

Dann spricht sie nochmals über ihr Töchterchen.

Ylenia habe gewusst, dass sie nicht in fremde Autos einsteigen oder sich von Fremden mit Bonbons locken lassen dürfe.

Charlotte Lenhard ist sicher, dass ihre Tochter nicht freiwillig in von Aeschs Auto gestiegen ist.

Vorwürfe mache sie sich keine: «Sie hat keine Schuld, ich habe keine Schuld.» Aber Gedanken macht sich Charlotte Lenhard. Etwa, dass alles nicht passiert wäre, wenn es geregnet hätte. Dann wäre ihre Tochter ihr Shampoo im Schwimmbad vielleicht nicht holen gegangen.

Ylenia. Sie wird immer bei ihrem Mami sein. «Die Zeit vor dem Einschlafen ist für mich und Ylenia da», sagt Charlotte Lenhard. Sie denke dann an Ylenia – und spreche mit ihr: «Dass ich sie lieb habe. Und dass sie nichts für das kann, was passiert ist.»


http://www.blick.ch/news/schweiz/mutter-fragt-sich-immer-wieder-warum-grad-ylenia-71819

Gepost door: Hans | 20-09-07

Ylenias Mutter sprecht Video: file:///private/tmp/501/TemporaryItems/AOLTemp.html

Gepost door: Hans | 20-09-07

Crass! Die Arme Mutter von Ylenia(5) tut mir so unendlich Leid, dass sie ihre Tochter so brutal verloren hattte.

Gepost door: gast | 25-10-13

De commentaren zijn gesloten.